„Pr…… Markt“ oder „Tempel des Rausches am Berliner Walther-Schreiber..

von Alexander Platz

Guten Abend,
anbei eine meiner Kurzgeschichten, die ich bisher auf Facebook als Tagebucheinträge veröffentlicht habe.
Ich habe sie ausgewählt, da es sich um eine Geschichte handelt, die dort in meinem Netzwerk sehr erfolgreich gewesen ist.
Viel Freude bei Lesen.

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Detlef Bierlein aka Alexander Platz

„Pr…… Markt“ oder „Tempel des Rausches am Berliner Walther-Schreiber-Platz“
Liebes Tagebuch,

vor nunmehr knapp drei Monaten bin ich aus Berlin Moabit nach Berlin Köpenick gezogen.
Gestern hatte ich aber mal wieder was in der Innenstadt zu tun.

Mit der S Bahn erreichte ich am Nachmittag den Bahnhof Zoologischer Garten und begab mich auf den Bahnsteig der U 9 in Richtung Rathaus Steglitz.

Früher fielen mir als erstes immer die Verkäufer der Straßenzeitungen und die U-Bahnmusiker auf.
Diesmal allerdings schienen sie von einer – für mich - neuen „Innenstadt Spezies“ verdrängt worden zu sein.

Vornehmlich handelt es sich dabei um Frauen, die mit von Adrenalin geweiteten Augen auf dem Bahnhof in Richtung der Station Rathaus Steglitz gemeinsam mit Geschlechtsgenossinnen umhergehen oder aufgeregt in ihr Mobiltelefon / Smartphone sprechen.

Auf der anderen Bahnsteigseite quollen mit jedem einlaufenden Zug, viele offensichtlich erschöpfte – aber gleichzeitig euphorische - Frauen aus den Abteilen und strebten hastig den Ausgängen oder anderen Bahnsteigen entgegen.

In ihrer Schnelligkeit fiel mir nur auf, dass sie entweder in einer Hand eine oder mehrere braune Papiertüten mit einer Aufschrift hielten, während auch sie –aber im Gegensatz zu den Frauen in Richtung Rathaus Steglitz - fröhlich in ihr Telefon sprachen oder Anweisungen zu geben schienen.
Oder aber in beiden Händen ganze Batzen dieser hellbraunen Papiertüten haltend sprichwörtlich „das Weite suchten“.

Aber eines haben alle Frauen auf diesem Bahnhof gemeinsam. Sie scheinen auf einer weltrettenden Mission zu sein, die keinen Aufschub duldet. Alles was im Weg steht, wird ĂĽberrannt.

Und so stand ich da mit meinem Buch und nachdem ich das dritte Mal von Frauen angerempelt worden bin, die mit leerem Blick auf dem Bahnsteig umherwanderten, beschloss ich, dieses Phänomen genauer zu betrachten.

Der Zug in Richtung Rathaus Steglitz fuhr ein.

In jedem Abteil einzelne oder ganze Trauben von Frauen jeglicher Nationalität und Glaubensrichtung.
Das war mir als ständigem Nutzer der U 9 absolut fremd.
Und so beschloss ich diesem Strom zu folgen und mal zu schauen, wohin deren offensichtliche „Wallfahrt“ gehen wird.

Mit jeder Station wurden die Abteile voller und voller.

Am Umsteigebahnhof Berliner Straße schließlich, wurde mein Abteil richtig voll und „Sebastian“ ein Straßenzeitungsverkäufer schaffte es nicht, in das Abteil zu gelangen, weil ihm eine Frau mit dem Spruch
„Geh uns nicht auf den Sack, wir müssen uns konzentrieren!“
die TĂĽr vor der Nase zuzog.

SchlieĂźlich erreichten wir den Bahnhof Walter-Schreiber-Platz.

Bereits kurz vor der Station wurden – wie auf ein geheimes Zeichen – alle weiblichen Fahrgäste zunehmend unruhig.
Ihre Augen weiteten sich und irgendwie schienen aus Freundinnen plötzlich Konkurrentinnen zu werden.

Instinktiv gingen die „Alten und Schwachen“ in Deckung.

Als der Zug hielt und die Türen sich öffneten, schien es kein Halten zu geben.
Trauben von Frauen ergossen sich aus den Abteilen und strebten alle einem Ausgang zu.
Ich ließ – nein ich musste – mich in diesem Strom treiben lassen.
Keine Chance auf Entkommen.

In einem Taumel von Euphorie und Verbissenheit erreichten wir schließlich die Verkaufsräume eines Bekleidungsdiscounters. Die Trauben lösten sich schlagartig auf und es begannen eine Suche und ein Verteilungskampf zwischen Kleiderständern und Regalen.

Gnadenlos ohne RĂĽcksicht!

Irgendwie schaffte ich es den Ausgang zu erreichen und ging einen Kaffee trinken.

Nachdem ich meine Erledigungen gemacht und zur Stärkung etwas gegessen hatte, wagte ich es den Bahnhof Walter-Schreiber-Platz zu betreten, um meine Rückreise zu beginnen.

Ich traute meinen Augen nicht.
An diesem späten Montagnachmittag standen Myriaden von Frauen bepackt mit diesen hellbraunen Papiertüten auf dem Bahnhof in Richtung Osloer Straße.

Ich schaffte es, in dem ĂĽberfĂĽllten Abteil, einen Sitzplatz zu ergattern.
Neben mir saß eine junge türkische Frau mit einem Kopftuch und dem klassischen langen Mantel einer strenggläubigen Muslima.

Auf ihren Knien und zu ihren FĂĽssen stand ein ganzer Batzen dieser TĂĽten, randvoll mit modischer Kleidung.

Sie sprach in dem klassischen Mix aus deutsch / türkisch – aber hochdeutsch – in ihr Mobiltelefon.

„Yilmaz!? Tatlim, ich war im „P_Markt“ und habe eingekauft. „Janim“, es ist ein bisschen viel, Du musst mich am Leopoldplatz mit dem Auto abholen!“

Offensichtlich hatte Yilmaz andere Pläne, denn ihr Gesicht verdunkelte sich unheilvoll.

„Vala, Du warst lange arbeiten und bist müde?! Dann bin ich nachher auch zu müde, um zu kochen, wenn Du was essen willst kannst Du ja in einen Döner Laden gehen!“

Das schien zu funktionieren, denn sie lächelte ins Telefon und beendete das Telefonat mit dem Satz:

„Tatlim, das ist so lieb von Dir! Ben seni seviorum (Ich liebe Dich)!“

Dann blickte sie rĂĽber zu ihrer Freundin und sagte:
„Fatma, hat geklappt! wir fahren Dich dann auch nach Hause! Das sagen wir ihm aber erst wenn er uns abholt! Von wegen faul auf der Couch liegen und einfach sinnlos in den Fernseher starren!“

Sie bemerkte, dass ich das Gespräch verfolgt hatte und meinte grinsend: „Ist doch wahr – oder!?“

Ich traute mich lediglich zu nicken und ein „Evet (Ja)!“ zu entgegnen; obwohl ich im Geiste natürlich vollstes Verständnis für Yilmaz hatte.

Fazit:
Während der Ladenöffnungszeiten haben
Männer,
Straßenzeitungsverkäufer,
Musiker und andere

auf der U 9 nichts mehr verloren, denn es ist zu gefährlich.

Und eigentlich ist es ganz einfach, den Weltfrieden herzustellen.

In jedem Land der Welt einfach diese Bekleidungsmärkte eröffnen und Frauen egal welcher Nation oder Glaubensrichtung im Konsumrausch übernehmen die Macht.
Ihre Männer bekommen so viele Transportaufträge, dass sie gar nicht mehr auf dumme Gedanken kommen können.


Andreas Neu Jim Zimmermann Kata Maler Marcello Rubini Pierre Vaud Steffen Drache thomas illhardt

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Unter den Namen menschenfotografie.net, erotischefotografie.net, selbstfotografie.net und fetischfotografie.net hat sich ein Kreis von Fotografinnen und Fotografen gefunden die sich um das Thema Mensch in all seinen Facetten bemĂĽhen. Auf den Bildern und Videos sind meistens Menschen zu sehen: Im Portrait, im Akt, in Fetischdarstellungen, im Selbstbildnis, in StraĂźen-Szenen oder in inszenierten Geschichten und manchmal nur in Form von Spuren oder EindrĂĽcken.


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Traumnovelle



Fenster zur Seele
Bilder, die Momente des Vertrauens offenbaren. BDSM hat viel Facetten, dementsprechend vielfältig sind die bildlichen Eindrücke - manche sind explizit andere implizit.
Eines haben jedoch alle Bilder gemeinsam. Sie erzählen Geschichten von Hingabe und Vertrauen und manchmal gewähren Sie einen Blick in das Fenster zur Seele.

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Vernissage am 11. März 2016 um 20 Uhr

DarkSide, NostitzstraĂźe 30, 10965 Berlin



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Kata Maler (30.09.2012)